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Diagnose Diabetes… und dann?

Was genau passiert, wenn du das Arztzimmer mit der Diagnose Diabetes verlässt? Als Diabetes-Neuling hat man so einiges zu meistern, aber verändert sich das Leben wirklich so sehr? Ich bekam meine Diagnose erst vor ein paar Wochen und mein Leben hat sich schlagartig verändert. Quasi über Nacht.

Ich verabschiedete mich von meinem Arzt nachdem er mir noch schnell Termine zur Ernährungsberatung gab. Ohne auch nur eine einzige Frage zu stellen verschwand ich aus der Praxis. Der Schock saß tief. Ich war schlichtweg nicht in der Lage meine Gedanken zu sortieren und all die Fragen zu stellen, die wie ein Tornado in meinen Kopf umherflogen. Ich fuhr mit der U-Bahn nach Hause und wusste nicht, wohin mit mir und meinen Gedanken. Hat er wirklich gerade gesagt, dass ich Diabetes habe? Genetisch bedingt und vom Genlabor bestätigt? Bis an mein Lebensende. Ja, hat er!

Wie geht es denn jetzt weiter?

Ich bin schon als Kind mit dem Thema Diabetes in Berührung gekommen. Meine Mutter ist seit 1991 Typ 1 Diabetikerin. Insulin im Kühlschrank, spritzen vor jeder Mahlzeit, ständiges Blutzucker messen. Ich kenne das. Wenn du aber selbst die Diagnose Diabetes bekommst, fühlt sich alles ganz anders an. Bisher war das Diabetes-Monster noch sehr weit weg und plötzlich ist es so präsent wie nichts anderes im Leben.

Ich will das nicht. Warum ich? Ratter, ratter. Ich habe doch alles getan, damit ich kein Diabetes bekomme. Das kann doch nicht sein. Ich habe Normalgewicht, esse gesund und mache viel Ausdauersport. Ich wollte es viele Tage einfach nicht wahrhaben, habe geweint. Aber plötzlich war ich mittendrin in meinem neuen Leben. Ständig Blutzucker messen, Ernährungsumstellung, Diabetesschulung. Keine Minute zum Durchatmen. Alles kam Schlag auf Schlag. Normalerweise ist der Alltag schon stressig genug, jetzt kommen aber weitere Aufgaben hinzu. Mein Leben wird nie mehr so sein wie vorher. Scheiß Gene. Ein Gefühl zwischen Überforderung und Traurigkeit machte sich breit.

Mir geht es auch jetzt, einige Wochen nach der Diagnose, nicht viel besser. Ich fühle mich gefangen, eingeschränkt, verwirrt und allein. Meine Psyche leidet. Andere Diabetiker gehen wahrscheinlich positiver mit der Diagnose um. Ich kann das nicht. Noch nicht. Für mich ist meine Situation sehr belastend. Auch ein weiteres Gespräch mit meinem Arzt, der mir erklärte, dass Mody eine „milde“ Diabetes-Form ist, hilft mir im Moment nicht. Ich muss trotzdem meine Ernährung umstellen, trotzdem ständig meinen Blutzucker kontrollieren und mehr auf mich und meinen Körper achten als zuvor.

Ich hoffe, dass ich irgendwann entspannt mit meinem Schicksal umgehen kann und ein ganz normales Leben führen kann. Zuerst muss ich die Krankheit, den Gendefekt in mir, aber wohl akzeptieren. Der Weg dorthin fühlt sich im Moment sehr lang an.

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